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Froben Homburger

Froben Homburger (47) ist seit Juli 2010 Nachrichtenchef bei der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Davor arbeitete er mehr als 17 Jahre bei der Nachrichtenagentur Associated Press (AP), zuletzt als Inlandschef und stellvertretender Chefredakteur des deutschen AP-Dienstes. Für seine journalistische Arbeit wurde der Diplom-Politologe mit Medienpreisen der Deutschen Aids-Stiftung und der Deutschen Herzstiftung ausgezeichnet.

 

Warum nutzen Sie Twitter?

Warum nutze ich Telefon, Web, E-Mail, TV, Radio, Printmedien? Twitter ist Quelle, Informant, Themen-Seismograph, Kontrollinstanz, Resonanzboden, Diskussionsforum, kritischer Begleiter – und damit ein unverzichtbares Instrument ganz besonders für Nachrichtenagenturen, die ihre Berichterstattung 24 Stunden am Tag auf dem aktuellsten Stand halten müssen.

 

Wie viel Zeit investieren Sie jeden Tag in Twitter?

Das lässt sich nicht berechnen. Twitter ist immer irgendwie dabei.


Schreiben Sie selbst oder lesen Sie nur?

Ich lese natürlich sehr viel mehr, als ich schreibe – privat wie dienstlich. dpa kann und will nicht in eine echte B2C-Kommunikation einsteigen, sie würde sonst ihren eigenen Kunden Konkurrenz machen. Der Newsdesk twittert daher über @dpa exklusive oder besonders interessante dpa-Informationen, -Berichte und -Videos ausschließlich via Verlinkung auf Kunden-Webseiten. Wir bemühen uns aber auch, den Account interaktiv zu gestalten und auf konstruktive Kritik und Hinweise nach Möglichkeit zu antworten. Als zusätzlichen Service bieten wir auf https://twitter.com/dpa/lists mehrere thematisch sortierte und immer wieder aktualisierte Twitterlisten an - von verifizierten deutschen Politikern bis zu Vatikan-Experten. Und ansonsten twittere ich noch ein bisschen über meinen persönlichen Account.

 

Wie binden Sie Twitter in Ihrem Arbeitsalltag ein?

Auf einem der Bildschirme ist immer Tweetdeck geöffnet, mit einer Haupt-Timeline und mehreren unterschiedlichen Listen für bestimmte Themen oder Nachrichtenlagen, bestimmte Formate - beispielsweise news alerts - und bestimmte Suchabfragen. Diese Listen werden am Newsdesk ständig gescannt und ausgewertet, ebenso wie die dpa-Text- und -Fotodienste, der Mail-Eingang, verschiedene Onlineportale,  deutsche und internationale Nachrichtensender, die Radio-Monitoring-Listen des dpa-Audio-Dienstes oder die Kommentare auf dem Kundenportal dpa-news. Und aus diesem bunten Quellenmix ergibt sich ein sehr rundes, multimediales Nachrichtenbild. Twitter ist dabei besonders wertvoll als Fingerzeig, wie stark und in welche Richtung sich zunächst noch halbgare Themen entwickeln könnten, welche Aspekte eines Themas besonders interessieren, irritieren, aufregen. Umgekehrt versuchen wir, auch mit Hilfe von Twitter unseren Kunden einen Pfad durch den digitalen Informationsdschungel zu schlagen, Tendenzen und Spins im Internet zuverlässig einzuordnen. Deshalb müssen wir zu jeder Zeit wissen, was im Netz passiert und was dort diskutiert wird. Und das geht nicht ohne Twitter.


Setzen Sie Twitter auch mobil ein oder schreiben Sie nur am Rechner in der Redaktion?

Mobil und am Rechner.


Haben Sie sich für die Nutzung klare Zeitvorgaben gesetzt?

Nein, daran würde ich mich eh nicht halten.


Wonach entscheiden Sie, welchen anderen Twitterern Sie folgen?

Entscheidend ist der überdurchschnittliche Nutz- und Informationswert der Tweets. In meiner Timeline finden sich natürlich viele Medien und Medienschaffende, aber auch öffentliche Personen und Institutionen aller Art. Und als digitalen Pausensnack gönne ich mir den einen oder anderen neurotischen Nerd.

 

Wie hat Twitter Ihnen schon einmal bei Ihrer Arbeit geholfen?

Twitter ist ein zentraler Bestandteil meines journalistischen Alltags.


Was unterscheidet in Ihren Augen Twitter und Facebook?

Facebook ist für mich eher Entertainment als Information, eher spielerisch als ernsthaft, eher privat als dienstlich.

Was war der beste Tipp, den Sie über Twitter erhalten haben?

Twitter hat dpa schon zu vielen wichtigen Informationen, Fotos, Zitaten verholfen. Eines der Highlights: Die dpa-Politikredaktion las am 19. Februar 2012 diesen Tweet von Peter Altmaier und machte daraus eine EIL. So konnte die Deutsche Presse-Agentur noch vor der Nominierungs-Pk und vor allen anderen Nachrichtenagenturen eine offizielle Bestätigung dafür vermelden, dass Joachim Gauck der gemeinsame Kandidat von Union, FDP, SPD und Grünen für das Amt des Bundespräsidenten wird.

 

Die Fragen an Froben Homburger stellte Bülend Ürük.